Energie-Kiosk: Elektrifizierung für das ländliche Afrika
Rund 80 Prozent der ländlichen Bevölkerung Afrikas sind nicht oder nicht stabil an die überregionale Stromversorgung angeschlossenund dadurchauf teuere Ersatz–Energie angewiesen, etwa Petroleum oder Batterien.
Müssten Deutsche ihren Strom ähnlich teuer bezahlen, dann kämen sie auf rund 60 Cent pro Kilowattstunde und in entlegenen Regionen könnte es wegen höheren Transportkosten noch mehr werden.Ein zusätzliches Problem ist die Entsorgung der verwendeten Einweg-Batterien. Da es keine geregelte Entsorgung gibt, werden sie entweder mit dem Hausmüll verbrannt oder landen in der Landschaft.
Der Strom kommt in den Busch: mit Solaranlagen und Ladestationen
Als Antwort auf diese Situation entwickelte Kaïto das Modell Energie-Kiosk, eine dezentrale Dorfstromanlage auf der Basis von Solarenergie.
- Die Anlagen arbeiten autark und werden bei Bedarf ausgebaut; so bekommen die Dörfer schrittweise eine moderne Stromversorgung.
- Der Strom wird dort produziert, wo er verbraucht wird: in den Dörfern. Das erspart Leitungen und reduziert die Kosten. Zugleich bleiben die Strukturen überschaubar und steuerbar.
- Die Einwohner oder lokale (Handwerks–)Betriebe können am Energie-Kiosk wie an einer Tankstelle Lampen, Mobiltelefone, Batterien und Akkus ganz unterschiedlicher Größe aufladen und damit ihren individuellen Energiebedarf decken. So werden sie kostengünstig mit wieder aufladbaren batterie-betriebenen Anwendungen versorgt. Weiter können sie Anschlüsse für Wechselstrom und eine Kühltruhe nutzen.
- Für größere Verbraucher oder Betriebe sind individuelle, autarke Anlagen vorgesehen.
Marktrecherche und Produktentwicklung unterm Mangobaum
Der Energie-Kiosk ist eine Eigenentwicklung von Kaïto; die Idee entstand bei einem der Afrikaaufenthalte von Heidi Schiller und Wolfgang Hofstätter. Entsprechend den Grundsätzen von Kaïto wurde sie von Anfang an eng mit den afrikanischen Partnern weiterentwickelt und zur Produktreife gebracht.
Die größte Herausforderung bei dem Vorhaben: Die hochkomplexen europäischen Solaranlagen für den lokalen Markt in Afrika abzuspecken. Marktrecherche und Besprechungen unterm Mangobaum standen daher regelmäßig auf der Agenda von Kaïto und immer wieder die Frage „Wie können die Anlagen noch einfacher, kompakter und robuster werden?“ „Was macht die Wartung möglichst einfach?“ oder „Welches Modell passt perfekt zum lokalen Alltag?“
Geschäftspartner auf Augenhöhe – nichts wird verschenkt
Parallel zu den technischen und finanziellen Vorbereitungen in Deutschland wird die lokale Infrastruktur für den Bau und den Betrieb des Energie-Kiosks vor Ort aufgebaut: etwa das Festlegen des Standorts, die Ausbildung der lokalen Fachkräfte für die Installation und die Wartung der Anlage und nicht zuletzt das Verhandeln der Konditionen:
- Der Bau erfolgt unabhängig von Subventionen und wird privatwirtschaftlich finanziert, die Anlage muss daher eine Rendite erwirtschaften. Dass heißt, jeglicher Strom, der entnommen wird, muss vom Abnehmer bezahlt werden.
- Die Dorfgemeinschaft stellt das Baugrundstück und übernimmt den Bau des Kiosks. So werden die Investitionskosten verringert und in der Folge kann der Strom günstiger verkauft werden.
- Lokale Unternehmer, die von der Dorfgemeinschaft mit ausgewählt werden, betreiben die Kioske eigenverantwortlich, sie erhalten ein Grundgehalt und werden am Umsatz beteiligt. So erwirtschaften sie ein eigenes Einkommen.
Während der Installationsphase und Inbetriebnahmen ist Kaïto vor Ort, koordiniert, überwacht und steht mit Rat und Tat zur Seite. Mit Inbetriebnahmen geht die Verantwortung aber an die afrikanischen Geschäftspartner über.
Schwung für die Wirtschaft
Die Erfahrung zeigt: Dort, wo die Energieversorgung stabil und bezahlbar ist, entstehen lokale Wirtschaftskreisläufe und Arbeitsplätze. Steigt dadurch der Strombedarf, werden die Anlagen ausgebaut. Für größere Verbraucher oder Betriebe sind individuelle, autarke Anlagen vorgesehen.
Wie sehr vor allem die Afrikaner von dem Modell „Energie–Kiosk“ begeistert sind, zeigen die Anfragen bei Kaïto. Fast könnte man sagen, die Dörfer und die potenziellen Unternehmensgründer stehen Schlange, um mit ähnlichen Projekten eine eigenständige, stabile Energieversorgung aufzubauen und ihr eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Daher sucht Kaïto derzeit intensiv nach weiteren Privatpersonen und Unternehmen, die in Afrika investieren wollen. Gemeinsam können dann weitere Standorte realisiert werden.
Zahlen und Fakten
Vorbereitungszeit: 3 Monate
Bauzeit: 6 Wochen
Investitionsaufwand: je nach Leistung zwischen 3.000 und 10.000 € (ohne Gebäude und Leihgeräte)
Flächenbedarf für den Sonnenkollektor: ca. 15 m2 auf dem Dach
Laufzeit/Lebensdauer: Solartechnik: 20 Jahre, Elektronik: 10 Jahre, Batterien: 5 Jahre
max. Tages–Leistung: zwischen 600 W und 1800 W
Brenndauer einer Leihlampe: ca. 12 Stunden
Durchschnittliche Ausleihzeit: 4 Tage
Ø Einzugsgebiet: ca. 3 km im Umkreis
Anzahl der versorgten Haushalte: zwischen 30 und 100
Mindestverdienst eines Kioskbetreibers: etwa 50 € pro Monat
Ø Wartungsintervall: vier Wochen
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Kontakt
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