Bei Einfuhr Zollbefreiung?
Da die Energie-Kioske im Senegal in die nächste Runde gehen und wir kürzlich einen Container randvoll mit Solarmodulen, Batterien und Ladeelektronik in den Senegal schaffen mussten, standen auch wir erneut vor der Frage, welche Bestimmung gilt für uns, welche Regelung ist die beste? Bezahlt haben wir dann einen verminderten Zoll.
Erstaunlicher Weise kam die Frage, warum wir überhaupt etwas bezahlen, von einem der Zöllner, schließlich würde jede Nichtregierungsorganisation (NGO) Solaranlagen zollfrei einführen. Aber damit hat er uns nichts Neues erzählt, und ja, auch wir denken über eine Zollbefreiung nach.
Denn diese Gebühren sind zusätzliche Kosten, die wir finanzieren und auch refinanzieren müssen. Und wo wirkt sich das am meisten aus? Richtig, bei unseren Stromkunden im Senegal, deren Einkommen zu den geringsten der Welt zählt. Aber würden wir den Zoll bei unserer Kalkulation außer acht lassen, fahren wir Verluste und wir müssten uns aus dem Markt zurückziehen. Das wollen wir ebenso wenig wie unsere Partner im Senegal. Also doch eine Zollbefreiung?
Betriebswirtschaftlich wäre das eine gute Lösung. Auf den ersten Blick wird das Investieren attraktiver und die Verkaufspreise günstiger. Doch was passiert mit der Volkswirtschaft wie der Senegals, wenn jeder Investor nach der Zollbefreiung ruft? Denn dann fehlen dem Senegal wichtige Einnahmen! Wie andere Entwicklungsländer gehört er zu den Staaten, die deutlich mehr importieren müssen als sie exportieren können. Und je mehr Importe zollfrei sind, desto größer wird das Loch in der Staatskasse. Und die ist aufgrund der geringen Steuereinnahmen alles andere als üppig gefüllt.
Ein Dilemma! Doch kann man es lösen?
Ich würde beim Entwicklungshilfe-Etat ansetzen und damit mehrer Fliegen mit einer Klappe schlagen. Meine Idee schaut so aus: Senegal erhält wie viele andere afrikanische Länder Entwicklungshilfe vom deutschen Staat. Und warum nicht die Einfuhrzölle aus diesem Etat bezahlen, also quasi die Höhe der Entwicklungshilfe mit wirtschaftlichen Investitionen koppeln. Davon würden nämlich alle profitieren:
- Der Export deutscher Produkte in neue Märkte – hier Entwicklungsländer – wird gefördert.
- Die Mittel der staatlichen Entwicklungshilfe stammen alle aus deutschen Steuergeldern, die damit der deutschen Wirtschaft zugute kämen und quasi „im Land“ blieben.
- Dem senegalesischen Staat bleibt die Einnahmequelle „Zolltarife“ erhalten.
- Die Investitionen bzw. Importe verbessern die Infrastruktur im Senegal – eine klassische Aufgabe des Staates, die er aber an Unternehmen weitergeben kann.
- Die senegalesische Bevölkerung profitiert von der verbesserten Infrastruktur; in unserem Fall von Strom zu günstigeren Konditionen.
Was meinen Sie zu unserem Modell? Praktikabel? Sinnvoll? Realistisch? Nicht umsetzbar? Zu revolutionär? Schreiben Sie mir Ihre Meinung per Kommentar! Ich freue mich, von Ihnen zu lesen und wünsche uns eine spannende Diskussion.
Für heute – Ihre Heidi Schiller
