Bei Dämmerung: Strom weg.

Es gibt Dinge, an die will ich mich nicht gewöhnen, auch wenn sie täglich passieren. Während meiner 14 Tage in der Casamance im Süden Senegals verbrachte ich 12 Abende ohne Strom. Einfach abgeschaltet.

In den Tropen gibt es keine Dämmerung, da fällt einfach die Sonne runter und es ist dunkel. Damit haben Sie kaum mehr als 10 Minuten Zeit, um von Tageslicht auf künstliche Beleuchtung umzuschalten. Dafür gibts Strom, sagen Sie? Nun ja, gut möglich. Dort wo ein Netz ist, zumindest. Was im ländlichen Afrika weit davon entfernt ist, als Netz bezeichnet zu werden: 80% der Bevölkerung leben ganz ohne Zugang zur Stromleitung. Doch selbst wo ein Netz, da noch lange kein Strom.

Ein typischer Abend, wie ich ihn in den letzten zwei Wochen im Süden Senegals erlebt habe: Es ist 19:30 Uhr, die Sonne geht unter, und mit ihr die Hitze des Tages. Eine Dusche bringt jetzt die nötige Frische. Und die Taschenlampe in Reichweite die Sicherheit, danach das Handtuch zu finden. Denn an 12 von 14 Tagen fällt jetzt der Strom aus. Pünktlich nach Sonnenuntergang bleibt es dunkel. Der Stromversorger hat mal wieder abgeschaltet, zum denkbar passendsten Zeitpunkt. Essen bei Kerzenschein, Petroleumlampe - oder Solarlicht!

Für uns als Energiedienstleister im ländlichen Afrika ist das die beste Werbung, die wir uns nur wünschen können! Die Nachfrage nach unseren Solarlösungen steigt mit jeder Stromabschaltung des staatlichen Versorgers Senelec. Ursprünglich für Dörfer ganz ohne Strom gedacht, erreichen uns immer mehr Anfragen aus Städten und Gemeinden, die theoretisch am Stromnetz hängen, praktisch aber nur unzuverlässig versorgt werden. Die Rechnung bleibt dabei unverändert, obwohl gar kein Strom ankommt! Wenn sich da Kunden entnervt abwenden und nach Alternativen suchen, ist das nur allzu verständlich.

Was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass für den Ausbau der ländlichen Stromversorgung die Erweiterung des Netzes immer weit oben auf der Hitliste der Elektrifizierungs-Programme steht. Wenn das jetzige Netz nicht mal stabil versorgt werden kann, wie soll das dann mit noch mehr Netz funktionieren? Warum wird hier an etwas festgehalten, was schon jetzt eine miese Performance hat?

Die Alternative liegt auf der Hand: Netzunabhängige Versorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Die sind überall verfügbar, und besser in die Landschaft passen sie auch. Wir fangen dann schon mal an.

Ihre

Heidi Schiller



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